Milizsystem
Das schweizerische Milizsystem garantiert, dass die Kommunalpolitik bürgernah und pragmatisch bleibt. Als tragender Pfeiler der Schweizer Politik stärkt und erhält es das Vertrauen der Menschen in die staatlichen Institutionen, was gerade in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit darstellt. Derzeit engagieren sich schweizweit rund 100'000 Personen in einem Milizamt, sei es in der Exekutive, in der Legislative oder als Mitglied einer Kommission. Gleichwohl ist der Zustand unseres Milizsystems regelmässig Gegenstand kritischer medialer Berichterstattung. Tatsächlich ist es in vielen – vor allem kleineren – Gemeinden, herausfordernd, genügend Kandidatinnen und Kandidaten zu finden, die bereit sind, ein kommunales Milizamt zu übernehmen.
Ein Grund hierfür ist die zunehmende Komplexität der politischen Dossiers, mit denen sich die Miliztätigen beschäftigen müssen. Hinzu kommt die schwierige Vereinbarkeit eines Milizamts mit familiären und beruflichen Verpflichtungen. Schliesslich können auch die Exponiertheit des Amtes, die Entlohnung oder fehlende Führungserfahrung dazu beitragen, dass Personen von einem Engagement in der kommunalen Milizpolitik absehen.
Gleichzeitig existieren verschiedene Lösungsansätze, um diese Hürden zu senken: Oftmals kann der Verantwortungsbereich des Amtes (noch verstärkt) mit dem Verwaltungskader geteilt werden. Durch moderne und flexible Arbeitszeiten und -modelle wie beispielsweise Jobsharing, durch die Möglichkeit zur Kinderbetreuung oder durch eine angemessene Entlohnung kann die Vereinbarkeit mit Familie und Beruf verbessert werden, wovon insbesondere Frauen – die in den kommunalen Exekutiven nur rund ein Viertel aller Ratsmitglieder stellen – profitieren.
Der Schweizerische Gemeindeverband erachtet die Stärkung des Milizsystems als eine seiner wichtigsten Aufgaben. Gemeinsam mit Partnern bietet er verschiedene Instrumente an, die die Übernahme eines Milizamts vereinfachen und das freiwillige Engagement für die Allgemeinheit stärker in Wert setzen. Zudem präsentiert er im Verbandsmagazin «Schweizer Gemeinde» regelmässig konkrete Best-Practice-Beispiele aus Schweizer Gemeinden (siehe Register links).
Der durchschnittliche Gemeinderat ist 54 Jahre alt und männlich. Entsprechend besteht bei Frauen und jungen Menschen viel Potenzial, um die Miliztätigkeit weiter zu stärken und zu diversifizieren. Die Fachhochschule Graubünden (FHGR) hat mit Unterstützung des Schweizerischen Gemeindeverbands die Portale Promo Femina und Promo 35 erstellt, auf denen sich konkrete Ratschläge finden, wie ein Engagement in der Milizpolitik für Frauen und junge Menschen attraktiver ausgestaltet werden kann.
PROMO Femina
PROMO 35
Gemeinsam mit dem Bund und den Kantonen bilden die Gemeinden die föderalen Grundpfeiler der Schweiz. Seit dem Inkrafttreten der «neuen» Bundesverfassung (BV) am 1. Januar 2000 verpflichtet der Artikel 50 BV den Bund, bei seinem Handeln die Auswirkungen auf die Gemeinden zu beachten sowie Rücksicht zu nehmen auf die besonderen Interessen der Agglomerationen, Städte und Berggebiete.
Konkret in den politischen Alltag schlug sich der Artikel 50 BV durch die Änderung des Vernehmlassungsgesetzes (systematische Teilnahme der Gemeinden und Städte), die Tripartite Agglomerationskonferenz, die Neugestaltung des Finanzausgleichs sowie die Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen nieder.
Doch ist damit der Artikel 50 BV umfassend umgesetzt? Trotz der Erfolge wird Artikel 50 BV noch nicht durchgehend eingehalten und es besteht zugleich ein Potenzial dafür, dass den Anliegen der Gemeinden und Städte besser Rechnung getragen wird.
Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Artikels 50 BV im Jahr 2025 haben der Schweizerische Gemeindeverband und der Schweizerische Städteverband deshalb die Deklaration «Die Städte und Gemeinden im Bundesstaat» verfasst und sie dem zuständigen Bundesrat Beat Jans übergeben.
Gemeinsam mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund sowie mit dem Österreichischen Gemeindebund organisiert der Schweizerische Gemeindeverband in regelmässigen Abständen eine Internationale Bürgermeisterinnenkonferenz. Nach 2022 in Wien und 2023 in Berlin richtete der Schweizerische Gemeindeverband die dritte internationale Bürgermeisterinnenkonferenz 2024 in Schaffhausen aus. Bürgermeisterinnen und Gemeindepräsidentinnen der drei Länder diskutierten, wie das politische Engagement von Frauen in Gemeindebehörden weiter gestärkt werden kann und wie sich insbesondere junge Frauen für ein Amt in der Kommunalpolitik begeistern lassen.
Internationale Bürgermeisterinnenkonferenz 2024
Behördenmitglieder leisten Führungsarbeit. Im Gegensatz zur Privatwirtschaft erfährt Milizarbeit bei Bewerbungsverfahren aber wenig Wertschätzung. Mit der Zertifizierung der Führungskompetenzen von Gemeinderatsmitgliedern geben der SGV und die Organisation Swiss Leaders Gegensteuer.
Kompetenzzertifizierung für Gemeinderatsmitglieder
Der Schweizerische Gemeindeverband erklärte das Jahr 2019 zum «Jahr der Milizarbeit». Entstanden ist daraus eine eigene Webseite mit Hintergrundinformationen, Ratgebern und Publikationen (wird nicht mehr aktualisiert).
Jahr der Milizarbeit
«Das Bundesparlament ist ein wichtiger Treiber der Zentralisierung»
Kommunale Infrastruktur im Nebenamt meistern: So gelingt es
Vereinbarung von Milizamt und Beruf: Die Rolle der Wirtschaft
Gemeinderatszertifikat stärkt die Milizarbeit
«Frauen engagieren sich nicht weniger, aber anders»
«Das Milizsystem ist in einer Umbruchphase»
Ein Rezept gegen halb leere Gemeindeversammlungen?
«Sitz dich ein!» – Walliser Gemeinden suchen angehende Gemeinderäte
Gemeinden im Wandel – Führungsmodelle im Fokus
